Bratze
„Zu klugen Texten kopflos tanzen”. Leider stammt diese schöne Aussage nicht aus meinen eigenen Gehirnwindungen, denn sie trifft den Nagel unweigerlich auf den Kopf, denn häufig widersprechen sich kluge Texte und Tanzen. Denn entweder muss man zuhören, um den Sinn hinter dem ganzen zu verstehen, oder man interessiert sich dafür eben einfach nicht, weil’s auch nicht weiter von Belang ist.
Bratze ist ein Duo aus Hamburg, das gerade seinen ersten Longplayer auf dem kleinen Hamburger Elektrolabel Audiolith veröffentlicht hat. Bestehen tut das Duo aus dem Sänger von Click Click Decker (Kevin Hartmann) und dem Elektropunker Der Tante Renate (Norman Kolodziej) und beide tun natürlich das, was sie am besten können. Der eine denkt sich kluge Texte aus, der andere unterlegt das ganze mit einem tanzbaren Elektrobeat und rauskommen tut Bratze. Und das kann man sich sowohl zuhause anhören und sich an manchen Textstellen ergötzen, als auch auf den Dancefloors unseres Landes und dazu ausgelassen ausflippen. Und genau das tun sämtliche Leute von Berlin bis Köln und Hamburg bis Wien, wenn sie die Scheibe in die Hand bekommen. Keiner, der das nicht mag, keiner der das nicht abfeiert. Eigentlich müsste mich ja so was stutzig machen, denn ich bin kein Freund von Hypes.
Aber ab und an darf man auch mal mit dem Strom schwimmen, immer nur dagegen sein strengt auf Dauer auch einfach an, und so darf ich mal eine Platte gut finden, die jeder andere auch gut findet! Nachdem sich die Scheibe womöglich jetzt jemand anhören wird und mir hinterher verkünden wird: „na, so dolle ist das nun auch wieder nicht, wie Du es machst”, umso besser, dann fühl ich mich nicht ganz so schlecht.
Eine Bratze ist im übrigen: eine „körperlich und charakterlich sehr unattraktive Frau, der jegliche Art von Restcharme abgeht [...]äußerst starke Abwertung; noch stärker als “Schabracke” Ob man sich mit diesem Bandnamen überall Freunde macht? Ob diese Beschreibung auch auf die Jungs selbst zutrifft? Das sollen andere beurteilen, ich versuche hier nur Anregungen zu geben, und Aussehen und Namen sind eh nur Schall und Rauch, wenn die Musik gut ist.
Songbeispiel: Bratze – Jean-Claude http://www.bratze.eu/media/Bratze_Jean_Claude.mp3