Favez
Andrew Scheps, du hast mit Produzenten wie Rick Rubin und Künstlern wie den Red Hot Chili Peppers, Audioslave, Johnny Cash, U2 (also bitte, U2? Mann…) gearbeitet. Warum hast du eine obskure Schweizer Band kontaktiert und sie gefragt, ob du ihr neues Album produzieren kannst?
Weil ich diese Jungs seit ihrem Album “From Lausanne, Switzerland” liebe! Und so entstand das siebte Album im scheinbar nie endenden Leben von Favez… Nach 6 Alben und mehr als 1000 Liveshows rund um den Globus wäre es einfach, Favez als Teil des Mobiliars im überstellten Indie-Rock- Wohnzimmer zu sehen. Aber sieh genauer hin und hinter der augenzwinkernden Bescheidenheit, dem starken Arbeitsethos und der anachronistischen Aufrichtigkeit entdeckst du etwas Erhabeneres: Diese Band kann schreiben. Diese Band kann spielen. Und obwohl sie das manchmal fast selber vergisst: Diese Band kann rocken.
Andrew, du hast mit den Chili Peppers gearbeitet, aber auch mit The Duke Spirit und Blood Red Shoes. Ist es nicht schwierig, mit den Grössten der Branche und gleichzeitig mit den Geheimtipps der Independent Szene zu arbeiten?
Überhaupt nicht. Man muss nur die Musik lieben und die Bands dazu bringen, sich die Seele aus dem Leib zu spielen. Wenn ein Produzent eine Band liebt, dann möchte er sie dazu bringen, nach sich selbst zu klingen. Also flog Andrew Scheps Anfang 2010 von Los Angeles nach Lausanne, um Favez ein paar Tage im Proberaum zuzuhören. Die neuen Songs gefielen ihm und er gab der Band den Auftrag, noch ein paar weitere mit mächtigen Riffs zu schreiben. Im Sommer 2010 trafen sie sich wieder im Monnow Valley Studio in Wales (wo schon Oasis, Led Zeppelin und Black Sabbath zu Gast waren). Die Band nahm live auf, einen Song pro Tag. Und jeden Tag, je näher die Nacht kam, wuchs die Begeisterung. Abends um 10 Uhr war der Song im Kasten, alle öffneten ein Bier, setzten sich hin und lauschten der Schönheit der Piano-Arpeggios in “End The Show”, dem Arschtritt von “Like The Old Days”, den epischen Refrains von “Tearing Down The Highway” oder der ätherischen Entrücktheit von “Closet Astronaut”.
Nach dem Abmischen des Albums meinte Andrew zu Favez, dies sei “eines der besten Projekte, an dem ich je gearbeitet habe.”. Mit Stolz gespielt, konsequenter denn je. Jeder Song lässt das Album in seinem eigenen Licht erstrahlen. Ein Album voller jugendlicher Reife, brutaler Sensibilität. Eine strukturierte Explosion von herzhaften Melodien. Und vor allem: Eine dieser Platten, bei der die Band es richtig hingekriegt hat. Danke fürs Zuhören.