GEM
Escapades
Wir erinnern uns. GEM, das sind die fünf Jungs aus Utrecht, die 2003 die Libertines von der Bühne des pickepackevollen Melkweg rockten. Deren Frontmann Doherty war erst gar nicht erschienen… Dabei hatte sich die Band per Internet kennengelernt, der Schlagzeuger erst einmal mitgeprobt. Das eilige Angebot eines Majors schlug die Bande aus, um im abgewetzten Sofa des kleinen, aber renommierten Labels Excelsior Recordings Platz zu nehmen. Beim Noorderslag Festival 2004 lieferten die Jungspunde ersten Stoff für erste, begeisterte Pressefutzies, hinterließen eine neue um Fassung ringende Fangemeinde aus dem Halderner Spiegelzelt und bekehrten 2005 in Groningen auch die letzten Zweifler zum Glauben an einen mit kraftvollem Punkspirit aufgeladenen Rock’n’Roll, der dank der geradezu schockierenden Präsenz von Frontmann Maurits Westerik geradezu in die willenlos zuckenden Glieder fährt.
Inzwischen supporteten unsere Freunde die Editors im Ambassador zu Dublin und kamen gerade erst triumphalen Auftritten bei The Great Escape im britischen Brighton und in Swingin’ London zurück, wo sie die Planken unter anderem mit The Kooks und British Sea Power teilten.
Genau der richtige Zeitpunkt, um jetzt das, was die Band mit ihrem Erstling „Tell me what’s new“ versprach, mit „Escapades“ einzulösen. Und wiederum skizziert eine konzentriert arbeitende Band die Kulisse für verwegene, mit rauem Organ gebellte Bekenntnisse, klopft Ilco Slikker seinen Merseybeat zu exakt den swingenden Gitarren, mit denen britischen Beatbands der ersten Stunde groß wurden, ein Groove, der von Vincent Lemmens Rhythmusgitarre präzise portioniert, zu spontaner Gruppengymnastik animiert. Im Hintergrund pluckert dazu zuverlässig Jeroen Klikkerts Bass und hält Blickkontakt zur proletarischen Basis. Über allem aber schnörkeln sich Bas de Graafs oft twangy gezerrte Gitarreneskapaden wie Rauchschwaden aus der lässigen Zigarette im Mundwinkel einer schmutzigen britischen Arbeiterstadt. Und weil ihr auch was fürs Herz wollt, sorgen großzügig angelegte Orgelbreitseiten zusammen mit dem vielstimmigen Backgroundchören für genau die historische Patina, wie sie der verschossenen Parka vom Speicher hat, der schon beim Rumble of Brighton dabei war.
Freut euch auf zwölf angriffslustige Poppunkperlen voller melancholischer Blue-Notes, romantischer Abenteuer und den Single-Hit „The Subterranean Parade“, überlasst euch den „Escapades“ des wildesten Pferdes im Haldern-Stall… GEM.