Grand Island

grandisland-fotoZwei Brüder haben die meiste Zeit ihres Lebens damit verbracht, Saiten zu zupfen, in die Tasten eines alten Klaviers zu hämmern und auf ein Schlagzeug einzuprügeln – wie zu Zeiten und ganz im Geiste von Delta Blues und der Mountain Music der Appalachen im Osten der USA und Kanadas. Kaum waren die beiden Brüder von einer Studienreise in Sachen Musik zurück, stießen drei weitere Musiker dazu, und im neuen Outfit ließen sie die Beschränkungen des musikalischen Erbes, dieser so viele Stile verbindenden Gebirgskette hinter sich.

Mehr und mehr kam die exzentrische Seite ihrer Musik zum Vorschein, als der Sound der Band sich vom straighten Bluegrass weg und hin zu einer tighten, energischen und schmutzigen Kreuzung aus Hardsoul-Bluegrass-Disco, Hardcore und Rock’n'Roll entwickelte.

Gesang, so roh und blutig wie ein Rindersteak, oft hart in der modderigen Karrenspur eines Captain Beefheart unterwegs, dazu schwere Orgelbreitseiten die eines Iron Butterfly würdig wären, wieselflinkes Banjogefingere wie anno ‘76, ein Wüstenbass gefährlich wie eine Klapperschlange und großspurige Großstadtdrums.

grand-island-3All das verschmilzt melodietrunken und ohne Kompromisse mit Rhythm galore, mit zwei Brüdern an den Fellen beziehungsweise am Bass und zwei weiteren Front-Brüdern die für Saitenspiel und vokales Wehklagen zuständig sind, während ein weiterer, fünfter Bruder die Flanke mit einer soliden Keyboardbarrikade deckt. Mit einem Stiefel in cheapem Westcoast-Glamorama und einem zweiten in Georgia, den haarigen Kopf bis zum Nacken im Wüstensand der Thrillerkomödie „Twentynine Palms” und den Arm bis zum Ellbogen im Stilfundus von Motorcity, viel Ballgefühl für den Revivalfolk der Appalachen und jeder Menge inbrünstigem Gospel entstehen hier Sin-Songs mit infektiösem Singalong-Faktor.

All das gehört, gesehen, kaum geglaubt und auch schon leichtsinnig gebucht im Hinterzimmer eines stickigen Saales in Groningen beim Eurosonic-Festival – und kaum ist die Tinte trocken, schon bei Haldern Pop Recordings verfügbar.

grand-island-boysGrand Island unterschrieb übrigens grade einen Vertrag mit dem italienischen Label Tube und wurde für den Spellemann Award, das norwegische Pendant zu den Grammy Awards, nominiert. Dass das Quintett zum South by Southwest Festival in Austin, Texas eingeladen wurde, kann uns da schon nicht mehr wundern, freut uns aber um so mehr. Guter Geschmack kann ja so einsam machen…

Grand Island sind:

• Espen Gustavsen – Lead Gesang/ Gitarre •  Paul Gustavsen – Gesang/ Banjo •  Jon Iver Helgaker – Gesang / Hammond/ Rhodes/ Synthies •  Nils Ulset Brodersen – Schlagzeug • Inge Kristian Brodersen – Bass

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