Hidalgo

HIDALGO – I WANT A GIRLFRIEND

hidalgo1Hidalgo – seit nunmehr 1999, in dieser Besetzung seit 2001, zusammen – waren sie immer schon schwer einzuordnen. Ins gegenwärtige Musikgeschehen im allgemeinen, in den Backkatalog ihres Labels Tapete im speziellen. Zu unkonventionell sind ihre Songs, zu vielseitig ihre Arrangements. Solche Bands, Blonde Redhead fallen mir da spontan ein, umgibt immer eine etwas geheimnisvolle Atmosphäre, weil deren Fans sich über etwas einig sind, was sie nicht beschreiben können, was nicht einer bestimmten Szene zugeordnet werden kann.
Um so schwieriger ist es, darüber zu schreiben – man hat Angst, mit schnöden Worten den Zauber in dieser Musik nicht zu erfassen, oder – schlimmer – ihre Zerbrechlichkeit plattzuwalzen mit bloßen Referenzen, die natürlich herauszuhören sind, aber in der Summe wie immer größer oder anders sind als die einzelnen Teile. Und am Ende ist es ja immer so: der eine hört dies, der andere das, und gemeint war es doch ganz anders. Lassen wir also die Referenzen beiseite und konzentrieren uns auf das, was wir haben.
hidalgo girlfriendWir haben das zweite Album der Nürnberger Band um Betty Mugler (Gesang, Gitarre), Hans-Christian Fuss (Schlagzeug, auch bei The Robocop Kraus) und Andy Necker (Bass, auch bei Multiboy). Um diesen „kreativen Kern” versammeln sich Musiker befreundeter Bands: Fast ganz Robocop Kraus, Robin van Velzen von Bambi Davidson, Stefan Prange von Green Apple Sea und Enno Palucca von den Goldenen Zitronen. Das alles wurde von 2004 bis 2005 in aller Ruhe im „Oma Recording Studio” zuhause bei Betty Mugler von ihr und Hans Fuss aufgenommen, zwischen den Kronleuchtern, Ohrensesseln und Orientteppichen der kürzlich leider verstorbenen Großmutter.

Wie erinnern uns: 2002 vereinnahmte uns das Debütalbum „Sing Guitar Sing” mit seiner Mischung aus Melancholie, Easy Listening und Dancefloor; mit „Driving The Car” war sogar ein richtiger Hit dabei. 2005 sind Hidalgo noch differenzierter – und noch schwieriger zu beschreiben. Da setzt ein Song mit einem geraden Postpunk-Beat ein und endet mit einem Ohrwurm-Refrain. Dann werden diese lieblichen Melodiestrukturen aufgebrochen und neben verhallte New-Wave-Gitarren gelegt, was zu einer ganz neuen, leicht wahnsinnigen Seite von Betty Muglers Gesang führt. Dazwischen immer mal wieder 4/4-Beats, laute Gitarren, Tanzbares und Melancholisches von solcher Größe, dass man Gänsehaut bekommt. Alles jedoch, und das ist es, was dieses Album nicht nur zusammenhält, sondern zu diesem wunderbaren, fast kristallinen Konstrukt macht, mit großer Akribie gespielt, arrangiert und produziert. Am Ende bleibt dann das Gefühl, eine großartige Platte gehört zu haben, und das bestimmt nicht zum letzten Mal.
Matthias “Mawe” Weber

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