Hobotalk

HOBOTALK – Alone Again Or

Glitterhouse Records/Indigo

hobotalkIn 30 Jahren werden alle sagen: “Hobotalk, das war eine Band! Marc Pilley, was für ein Songwriter! Gigantisch! ” Warum sagt man das nicht schon jetzt? Spricht doch alles dafür. „Alone Again Or” ist ihr drittes Album für Glitterhouse, nach „Notes On Sunset” und „Homesick for Nowhere”, zwei wunderschönen, klassischen Songwriter Platten zwischen Tim Buckley, John Martyn und Tim Hardin.
„Alone Again Or”: So schön. So tief. So bezaubernd. So classy. Zwölf Songs für die Ewigkeit, unterteilt in Seite A (The Electric Night) und Seite B (The Acoustic Morn). Zeit spielt hier keine Rolle. Das ist ein Album aus der Zeit vor Bits und Bites. Ein komplettes Statement. You’ll love it. Benannt nach einem Song auf dem epochalen „Forever Changes”-Album von Love. Und es scheint, als hätte Pilley eine Plattensammlung mit obskuren Bands aus den späten 60ern/frühen 70ern geschenkt bekommen. Ihr wisst schon, diese Platten auf Elektra und Columbia, die man sich kaufte, weil die Helden gerade keine neue draußen hatten. Und was waren da für Schätze drunter…
hobotalk alone again or“Alone Again Or” kommt mit derselben Intensität, mit denselben eindringlichen Momenten daher wie sein Vorgänger. Das Album überrascht allerdings, hat subtile Kanten und transportiert Zerrissenheit in einer Art und Weise, wie man es von Hobotalk bis dato noch nicht gewohnt war. Wer die Band live gesehen hat, weiß gerade auch um ihre Präsenz, wenn sie sich dem elektrischen Sound annähert. Diese Stimmung ist es, die auf dem neuen Album eingefangen wurde. „Man stelle sich vor, Buffalo Springfield jammten mit Captain Beefheart und den Doors (sic!)” (O-Ton Pilley). Das Süßliche, Tränenreiche ist aus Marc Pilley’s Musik fast verschwunden. Natürlich hat sich die Stimme nicht verändert, aber die Songs (und was sind das für Songs…) sind nicht mehr so lieblich. Sondern gegen den Strich gebürstet. Sie überraschen durch unerwartete Wendungen, heftigere, stoisch verzerrte Gitarren, repetitive Rhythmen und sehr abgefahrene Arrangements. Unwiderstehlich. Im zweiten Teil der Platte dann, „The Acoustic Morn”, bekommt man als Hörer all die Songs, für die man Hobotalk schon immer verehrt. So zum Beispiel „Under the spell of love”, gewiss einer der größten Songs, die Pilley bis dato geschrieben hat, vorgetragen mit dieser unwiderstehlichen, sanften Stimme, an die man sich anlehnen möchte. Es ist alles da auf diesem Album… die Worte, die Musik… Melodie und Schönheit, aber auch eine ausgefranste Struktur, die dem Pilleyschen Kosmos erst so richtig Leben einhaucht. „I used to love the sound of the carnival on the edge of town, it always made me shiver with excitement. I wondered what went on in the tents, the sounds the sights. I wondered what a band would sound like in those tents, so I made HOBOTALK.” (Marc Pilley)

hobotalk-2Hobotalk wurden bereits im Zuge der Veröffentlichung des Debuts „Beuty In Madness” über den grünen Klee gelobt und schrammten nur knapp am Mercury Music Award vorbei. Die Band tourte Europa, öffentlichkeitswirksame Fernsehauftritte folgten, und dennoch fielen Hobotalk am Ende wie viele andere Künstler auch den einschneidenden Veränderungen in der Musikindustrie zum Opfer und verloren ihren Plattenvertrag.
In den darauffolgenden Jahren machte sich Marc Pilley rar. Er verbrachte eine zeitlang in Kanada und den USA und bezog in seiner Heimat Schottland ein Landhaus an der Ostküste. Doch gerade diese für den Rezipienten seiner Musik beunruhigende, weil scheinbar wenig produktive Phase brachte schlussendlich, ganze fünf Jahre nach dem beeindruckenden Debut, Hobotalks wundervolle zweite Platte „Notes On Sunset” hervor. Einmal mehr rang Pilley in den darauf enthaltenen und von der Kritik hoch geschätzten Songs mit dem Leben an sich, mit Liebe und Verlust. Es folgten weitere Tourneen, Radio- und TV-Shows – diesmal auch in Amerika, einem Land, dem sich Pilley schon lange verbunden fühlte, das er schon lange einmal bespielen wollte.
Im Anschluss daran richtete er sich, der ewigen, einen jeden Aufnahmeprozess begleitenden Abhängigkeiten müde, sein eigenes Studio ein. Die neue Freiheit in den eigenen vier, charmant „The Shed” genannten Studiowänden brachte schließlich die Veröffentlichung des dritten Albums “Homesick For Nowhere”, einer intimen Songsammlung, in der jeder Ton bedacht platziert und gespielt ist, auf den Weg. „I built the Shed I guess because I also have strange working hours – songs arrive at the wildest times so now I just tip into my shed and let them get the best of me”. Sehr gute Idee, das mit dem Studio.

Wartet nicht 30 Jahre!

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