Washington

Washington – Rouge/Noir

Glitterhouse Records / Indigo

washintonWashington sind zurück und bringen ein Album aus der Kälte mit….
Ach, ewig all dieser arktische Schmu, diese Glorifizierung der dem Norweger offensichtlich so innewohnenden Melancholie, die Dunkelheit, die Trauer. Man mag es kaum noch lesen. Anderserseits: Kälte ist auf „Rouge/Noir” zwangläufig ein Thema. Was sich textlich wie vor allem auch im Sound des Albums niederschlägt. Das muss man bewusst erst mal so hinbekommen.

Das dritte Album des Trios aus Norwegen also. Weit weniger poppig als der Vorgänger. Ein Album, das alle Versprechungen einlöst, die Washington selbst nie gemacht haben. Mit sehr viel Raum zwischen den Noten, mit durchdachten Kompositionen, mit Tiefe. „Rouge/Noir” liegt vor dem Zuhörer wie unberührtes arktisches Land, das erobert werden will. Keine Koordinaten, nur ein paar Namen. Washington gehen hier nicht auf Kuschelkurs, vielmehr lassen sie uns Kälte spüren. Rune Simonsen (Gesang, Gitarre), Andreas Høyer (Bass) und Esko Pedersen (Schlagzeug) haben Rouge/Noir Anfang 2008 in den Larsville Studios in Stugudal aufgenommen, in einem kleinen Bergdorf. Während der Aufnahmen herrschten draußen -20 Grad Celsius.

washington-2Von gesunkenen Schiffen ist die Rede, von Wegen im Wald, die niemand betritt. Die Spuren von Americana, die sich noch durch die Vorgänger „A New Order Rising” und „Astral Sky” zogen, sind als Orientierungspunkte verschwunden, die vielgelobte, vertraute Stimme von Rune Simonsen der einzige Wegweiser.

Doch was bedeutet Distanz anderes als Raum zum Näherkommen? Mit einem Mal wird „Rouge/Noir” zum wärmenden Feuer in der Fremde, denn auch im neuen Klanggewand sind sie da, die Melancholie und die Tiefe von „A New Order Rising”, die Grandezza und melodische Treffsicherheit von „Astral Sky”.

„Rouge/Noir” ist das bislang ambitionierteste Werk von Washington, und gleichzeitig ist es die logische Fortführung seiner beiden Vorgänger. Mit mehr Gitarren, mehr Offenheit im Klang und einer ausgefuchsten Produktion von Lars Lien (Motorpsycho, The International Tussler Society), die für die gekonnte Balance zwischen Wärme und Kälte verantwortlich ist. Gemastert wurde in den Londoner Metropolis Studios von Andy „Hippy” Baldwin (Coldplay, Richard Ashcroft, Super Furry Animals).
Und diese Stimme! Ehrerbietig kann man sich Washingtons großer Kunst, der Tiefe und Dringlichkeit ihres Anliegens nur ergeben, leise höchstens „Spirit Of Eden” oder „The Laughing Stock” flüsternd.

washington-rougenoirTracklist Rouge/Noir:

1. Rouge/Noir
2. Something Of A Voyage (Into The Underworld)
3. Last Of Eve
4. Andante
5. Appendix 1: As Waves Shape The Sea
6. Guerre de Rue
7. Another Sunset
8. Fresco
9. Black Ride

Video: Washington live im Paradiso, Amsterdam, ganzes Konzert:

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