Hidalgo
man hat Angst, mit schnöden Worten den Zauber
dieser Musik nicht zu erfassen, oder schlimmer
ihre Zerbrechlichkeit plattzuwalzen mit bloßen Re-
ferenzen, die natürlich herauszuhören sind, aber
in der Summe wie immer größer oder anders sind
als die einzelnen Teile. Und am Ende ist es ja doch
immer so: der eine hört dies, der andere das, und
gemeint war es ganz anders. Lassen wir also die
Referenzen beiseite und konzentrieren uns auf
das, was wir haben.
Wir haben das zweite Album der Nürnberger Band
um Betty Mugler (Gesang, Gitarre), Hans-Christian
Fuss (Schlagzeug bei Robocop Kraus) und Andy
Necker (Bass bei Multiboy). Um diesen „kreativen
Kern“ versammeln sich Musiker befreundeter
Bands: beinahe ganz Robocop Kraus, Robin van
Velzen von Bambi Davidson, Stefan Prange von
Green Apple Sea und Enno Palucca von den Gol-denen Zitronen. Das alles wurde von 2004 bis
2005 in aller Ruhe im „Oma Recording Studio“ zu
hause bei Betty Mugler von ihr und Hans Fuss
aufgenommen, zwischen den Kronleuchtern,
Ohrensesseln und Orientteppichen der kürzlich
leider verstorbenen Großmutter. Wie erinnern
uns: 2002 vereinnahmte uns das Debütalbum
„Sing Guitar Sing“ mit seiner Mischung aus Melan-
cholie, Easy Listening und Dancefloor; mit „Driving
The Car“ war sogar ein richtiger Hit dabei.
2005 sind Hidalgo noch differenzierter - und noch
schwieriger zu beschreiben. Da setzt ein Song
mit einem geraden Postpunk-Beat ein und endet
mit einem Ohrwurm - Refrain. Dann werden diese
lieblichen Melodiestrukturen aufgebrochen und
neben verhallte New-Wave-Gitarren gelegt, was
zu einer ganz neuen, leicht wahnsinnigen Seite
von Betty Muglers Gesang führt. Dazwischen
immer mal wieder 4/4-Beats, laute Gitarren, Tanz-
bares und Melancholisches von solcher Größe,
dass man Gänsehaut bekommt. Alles jedoch,
und das ist es, was dieses Album nicht nur zu
sammenhält, sondern zu diesem wunderbaren,
fast kristallinen Konstrukt macht, mit großer
Akribie gespielt, arrangiert und produziert.
Am Ende bleibt dann das Gefühl, eine großartige
Platte gehört zu haben, und das bestimmt nicht
zum letzten Mal.
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