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the boy group

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The Boy Group



’The Boy Group¹ ­ wer sich so nennt muss
entweder total beknackt sein oder richtig
dicke Eier haben. Beides trifft hier zu, denn
ein jeder der drei Mitglieder ist ein Spacken
seiner Art plus gibt es ein tiefes Gehänge
auf Höhe der Bassbox, wenn sie da drauf
sitzen und Musik machen, was man kaum
überhören kann.

Der Name tut der Straßen-Glaubwürdigkeit
dieser Band Genüge mit einem Humor,
der draußen auf dem Treppenwitz dealt,
denn man scheint sich hier gendermässig
schwer einen aus der Rippe zu schälen,
wo doch jeder weiß, dass in anglophiler
Würglichkeit und Regel von “Girl Group³ und
“Boy Band³ die Rede ist, nicht aber “Girl
Band³ und “Boy Group³, ein gesamt-
deutsches Thema also.
 
Und selbst das ist gelogen, denn über ihren
Namen haben sie sich kaum einen Gedanken
gemacht, schließlich haben die drei sich
gegenseitig entdeckt in einer Kunst, die darin
besteht, aus dem Stegreif sein Können in
unvorhergesehenen Kombinationen auszu-
üben.

Es war im Sommer 2004 und im Golden
Pudel Klub, als Moritz Love, Christian
Harder und Viktor Marek zur Enduro-
frisierten “Grimetime Discoteque³ als
geladene Gäste auftauchten. Mit viel
Ruß im Fluß machte der Grime die Leute
dreckig, Schweineschnuten waren
unterwegs auf der Wühle nach schwe-
ren Beats, schnellem Stakkato-Geplapper
und legèren Hooks. Der Türsteher machte
gerade den 24-Uhr-Alkopopper-Check,
als die drei Bühnengäste anfingen gemein-
sam rumzumachen, dabei hatten sie sich
noch nie zuvor gesehen, außer der
Bassist, der den Schlagzeuger und den
Sänger kannte. Das Konzert fand kehlige
Zustimmung sowohl im Hals- als auch im
Kniebereich. Viele gingen danach ins Bett
und hatten ihrem Tagebuch von einem
außergewöhnlichen Erlebnis zu berichten,
in dem drei Kalkleisten das Schwarze unter
ihren Fingernägeln zum musikalischen
Thema machten.

Diese drei Herrchen haben ihre live-konsti-
tuierende Sitzung zum Anlass genommen,
“The Boy Group³ zu gründen und nach einer
Handvoll Konzerte nun ihre erste Platte mit
vier Liedern vorzustellen, die nicht nur neu
sind, sondern glücklicherweise auch musi-
kalisch aufdringlich, subversiv eingängig
und angenehm zügellos. Als Veteranen
unvollendeter Karrieren scharren sie mit
den Hufen im warmen Mist des eigenen
Dungs, voltigieren auf dem bröckeligen As-
phalt der Kunstdressur und drücken immer
wieder frische Äpfel aus dem Artpopo, den
sie für seine Fruchtbarkeit so offensiv be-
wundern, dass ein erigierter Zustand bei
Mann und Frau in greifbare Nähe rückt,
was auch beweist, das 7 inches völlig
ausreichen, um gut bestückt 4 Nummern
zu schieben, wo doch Intelligenz immer
den Längeren hat. Doch wer sind diese
drei?

Da ist Moritz Love, ein tapsiger Brillenträger
ohne Brille, der als MC mit dem besten Ox-
ford-Englisch was der Untergrund zu bieten
hat die Hühner gackern lässt, den Freistil
bezwingt und gut wie ein gewalttätiges
Weichei im Stile eines Gordon Gano singt,
dabei ausschaut wie der von der weit-
sichtigen Mehrheit ehrlich gewählte
Klassensprecher aus Kompetenz trotz
Aussehen. Und der als Sänger der Türen
schon den ein oder anderen Schlüssel
umgedreht hat.
 
Christian Harder kennt man als den
ökumenischen Gottesraver in engels-
gleicher Gestalt auf Wonder, der als
Kid den bitteren Geschmack der Kom- merzpoperze kosten wollen musste,
hier vor allem Gerüstbau-Experte auf-
tritt wenn es darum geht, im Muskel-
T-Shirt ein paar anständige Patterns
in den Park zu stellen, und der eigenen
Stimme mit einem mutigen Tremolo ent-
gegenzutreten.

Viktor Marek, top angezogen und stadt-
bekannter Fuchs, bei 8doogymoto Chef
diverser Analogsynthies und Beatboxer,
Pfötchengeber des Golden Pudel Klubs
und BMW635i-Fahrer, ist hier die amtliche
Störungsstelle für Ein- und Auswürfe im
Akkord, für schmatzige Hooklines und
diagonale Riffs.

Skandale sind bei The Boy Group außer
ihrer Musik bislang nicht in Sicht. Wer
schwul ist und wer zuerst aussteigt wird
derzeit noch ausgelost.

 

 

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